Chronik der Abteilung Leichtathletik

Wer auf Stempel und amtliche Eintragungen Wert legt, für den existiert die Leichtathletikabteilung der SG Kaarst seit dem 4.Oktober 1970. Die Zeit davor war aber für die Entwicklung nicht weniger entscheidend.

Urzelle war das im Jahre 1966 gegründete Staatliche Gymnasium i.E. Kaarst, der Vorläufer des heutigen Albert-Einstein-Gymnasiums. An dieser jungen Schule entdeckten und förderten der für den Sport zuständige Studienassessor Hubert Keil und seine Kolleginnen und Kollegen eine ganze Reihe von sportlichen Talenten. Herausragend in vielen Disziplinen war z.B. Thomas Netzer, der heute als Orthopäde und Sportarzt in Kaarst praktiziert.

Die Kaarster nahmen damals an den Düsseldorfer Schulmeisterschaften teil und errangen gegen Vereinssportler mit wesentlich besseren Trainingsmöglichkeiten beachtliche Erfolge.Die Bedingungen, unter denen damals Leichtathletik betrieben werden konnte, waren nach heutigen Maßstäben katastrophal: ein kleiner asphaltierter Schulhof, eine winzige Gynmastikhalle an der Halestraße. Etwas besser wurde es, als die Schule im Sommer das Eisenbrandstadion in Büderich benutzen durfte, wohin die Schüler für zwei Stunden in Bussen transportiert wurden.

Hier sprach eines Tages – und das muss als die Geburtsstunde der Leichtathletikabteilung angesehen werden – ein junger Mann in der Sportstunde Hubert Keil an. Im Gespräch stellte sich heraus, dass Manfred Handke – der junge Mann – in Büderich etwas Leichtathletik betrieb, in Kaarst wohnte und Interesse hatte, Leichtathletik in Kaarst populär zu machen. Obwohl beide Gesprächspartner vom Rudersport kamen und genau so gut einen Ruderverein am Kaarster See hätten gründen können, war man sich bald einig, unter dem Dach der TSG Kaarst Leichtathletik zu betreiben; die Sportler lieferten die Kaarster Schulen, zu denen man Kontakt aufnahm, besonders das Gymnasium.

Bei der TSG Kaarst war der damalige Sportwart Rudolf Borcherding – immer interssiert an Neuem und vor allem an Engagement – sofort bereit, unter dem organisatorischen Dach der Turnabteilung Leichtathletik zu ermöglichen. Das war nicht so selbstverständlich und auch nicht so leicht, denn im Winter benötigte man ja Hallenstunden, und die waren schon damals heiss begehrt. Die zunächst kleine Schar der jungen Leichtathletinnen und Leichtathleten trainierten zunächst Manfred Handke (Mädchen) und Hubert Keil (Jungen) und das viele Jahre. Abteilungsleiter wurde ebenfalls Hubert Keil und gab den Stab erst 1989 an Dr. Peter Röhrs weiter. Als sich die beiden Kaarster Vereine TSG Kaarst und VFL Kaarst Anfang der 70er Jahre zur SG Kaarst zusammenschlossen, kamen aus dem „Fundus“ des VFL Kaarst zwei junge Damen als Übungsleiterinnen hinzu (Hilde Hamacher und Gerda Meier), die sich besonders um die Jüngsten kümmerten. Sie steuerten gleich ihre Söhne und Töchter zur Sportlerriege bei, und so bildeten von Anfang an ganze Familienclans die Korsettstangen der Abteilung.Sie förderten und sicherten den Bestand der Leichtathletikabteilung unter zunächst schwierigen äußeren Bedingungen. Es gab nämlich nirgends in Kaarst Leichtathletik- Anlagen! Dieser Mangel wurde durch Erfindungsgeist und Engagement ausgeglichen, und so gab es bald schöne Erfolge.

Glücklicherweise wurde 1972 das Sportgelände am Kaarster See in Betrieb genommen, das auch eine C-Kampfbahn mit sechs Rundbahnen enthielt. Ein großer Fortschritt, der natürlich noch einige Unzulänglichkeiten enthielt. Hochsprung (und auch Stabhochsprung!) musste z.B. auf einem Sandhügel mit einer dreieckigen Aluminiumlatte betrieben werden, Bedingungen, unter denen heute niemand auch nur im Traum daran denken würde, an den Start zu gehen

Da die Gemeinde Kaarst in dem Gemeindedirektor Rolf Klante einen Leichtathletik begeisterten Spitzenbeamten hatte, konnte die Kaarster Leichtathletik bald eine deutliche Verbesserung der Trainings- und Wettkampfbedingungen erreichen. Ein Tartanplatz mit modernen Hoch- und Weitsprunganlagen wurde errichtet und damit die Voraussetzung für eine Reihe gelungener Sportfeste in Kaarst gelegt.

Das bedeutendste und weit über die Kreisgrenzen hinaus populärste Sportfest wurde 1975 von dem Sportwart der Leichtathletikabteilung Peter Hamacher ins Leben gerufen.

Einen Abrundung erfahren in diesem Jahr die Bemühungen um stetige Verbesserung der Trainings- und Wettkampfbedingungen für die Leichtathletik mit dem Bau einer B-Kampfbahn mit Kunststoffbelag. Sie wird mit ihrem modernen Standard Voraussetzungen schaffen, das auch die Eliteklasse der Leichtathletik ihren Weg zu Kaarster Sportfesten finden wird.

Dass die Stadt Kaarst dankenswerter Weise immer wieder große Summen in den Erhalt und die Verbesserung der Sportanlagen investiert, ist auch ein Verdienst der Kaarster Leichtathletinnen und Leichtathleten, die durch ihre Jahrzehnte langen Erfolge diese Maßnahmen rechtfertigen.

Wenn man auf die Entwicklung der Leichtathletikabteilung der SG Kaarst zurückblickt, kann man feststellen, dass die Anfangsjahre zwar schwierig aber voller Begeisterung waren. Treibende Kräfte waren neben der engagierten Führungsmannschaft immer viele einzelne Familien, die sich – manchmal mit allen ihren Mitgliedern – in vielfältiger Weise für die Leichtathletik engagierten: Sie waren Übungsleiterinnen und Übungsleiter, Sie stellten die Fahrzeuge für die Fahrten zu den Wettkämpfen zur Verfügung, sie waren Kampfrichter bei Sportfesten, spielten den Nikolaus, brieten Würstchen und standen am Zapfhahn. Ohne ihr Engagement (das ihnen oft nicht leicht fiel) würde es heute keine Kaarster Leichtathletik mehr geben. Die Leichtathletik hat es heute in manchen Hinsicht schwerer als damals, denn die Alternativen sind erheblich vielfältiger. Sie benötigt also jede Unterstützung. Es lohnt sich aber auch, die Leichtathletik zu fördern, denn hier werden bereits in jungen Jahren Grundfertigkeiten ausgebildet, die in anderen Sportarten, aber auch im Alltag wichtig sind.

Schicken Sie also Ihre Kinder zur Leichtathletik, und wenn Sie ein wenig Zeit haben, investieren Sie sie in Ihre Kinder und unterstützen Sie die Menschen, die ihre Zeit opfern und sich in der Leichtathletikabteilung in vieler Hinsicht um Ihre Kinder kümmern.

Kaarst, den 21. März 2001

Hubert Keil